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- Verlag: Haag + Herchen
- Autor: Dr. Andreas Wilhelm
- Artikel-Nr.: KNV86897361
- ISBN: 9783898468633
Alles in allem ist die Szene 1730 recht kurz, die Figuren damit ziemlich 'unstet', sie gehen relativ früh ab und andere treten recht rasch auf, der personelle Fluss ist somit ausgeprägt, die Bühne erweist sich erwartungsgemäß dann pro Szene auch als dünn bevölkert, die Regie ist zudem oftmals frappant unterentwickelt.
All das verändert sich bereits 30 Jahre später, zumindest in den Premieren. Biederkeit weicht dem Spott, ehedem nur punktuell spürbar, und dem Derberen, die Parade wird häufiger, politische und gesellschaftsspezifische Zurückhaltung weicht dem Amüsement an einer dekadenten Sozietät. Kein Stand, kein Beruf bleibt verschont, die Philosophen der Zeit werden besudelt, das Theater macht sich lustig über sich selbst, besonders über den bedauerlichen Zustand der Tragödie. Die Verrücktheit, La Folie, avanciert zur Königin der Bühne, natürlich auch in personifizierter Form. In der Tat bliebe das schwere Genre noch mehr eine Quantité négligeable, wäre da nicht auch Voltaires Tancrède.
Die Szene ist 1760 länger, der personelle Fluss wird abgebremst, die Bühne erweist sich als dichter bevölkert, die Regie wird alles in allem üppiger.
So namhafte Autoren wie die Genannten werden unter denjenigen der Neukreationen des Jahres 1790 nicht mehr zu finden sein. Weniger bekannte Autoren, neue Bühnen, neue Truppen, neue Genres, diesbezüglich vor allem das Nationaldrama, werden in Erscheinung treten. Zeigte die Bühne des Jahres 1760 zumindest noch politische Zurückhaltung, so wird die Politik, mehr noch als die Gesellschaft, im ersten postrevolutionären Jahr zum allumspannenden Thema, zunächst nur indirekt, unter einem zeitverschobenen Vorhang, ab dem ersten Föderationsfest jedoch abrupt direkt und zeitnah. Prägte 60 Jahre zuvor noch ein gehemmtes Psychogramm, das Wollen und Nicht-Wollen, das Vor und Zurück die Figuren, so weicht dieses nunmehr dem gesicherten Wollen und der emotionalen Hypertrophie, und sturzbachartig gestaltet sich, mehr als nur ein einziges Mal, in optischer und akustischer Hinsicht die Bühne.
Die Szene wird denkbar kurz, die Figuren sind 'unsteter' als je zuvor, und doch nimmt die Bühnenbevölkerung drastisch zu, die Regie avanciert mitunter zu einem Spektakulum.
Die vier Bände zu den Premieren der