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- Verlag: Neofelis
- Autor: Natálie Bocková
- Artikel-Nr.: KNV10829804
- ISBN: 9783958085305
Nicht nur weil Tschechien 2026 Gastland der Frankfurter Buchmesse ist, lohnt sich ein Blick in die lebhafte Theaterszene des Nachbarlands. Die Übersetzerin Barbora Schnelle vermittelt durch Veröffentlichungen und das Berliner Festival Ein Stück: Tschechien seit vielen Jahren neue tschechische Stimmen und Stücke ins deutschsprachige Theater. Nun legt sie mit Am Wannenrand eine neue Anthologie tschechischer Gegenwartsdramatik vor. Neun Theaterstücke, die zwischen 2012 und 2024 uraufgeführt wurden, zeigen unterschiedliche Strömungen und Ästhetiken des tschechischen Gegenwartsdramas, von der gesellschaftskritischen Groteske über Beziehungsdramen, inspiriert vom absurden Theater, bis hin zu lyrischen, fast märchenhaften Utopien. Diese Auswahl macht die Vielfalt der theatralen Mittel der Autor*innen und der tschechischen Theaterszene erfahrbar.
Martina Kinská beschäftigt sich in ihrem Stück Pankrác '45 mit der Aufarbeitung historischer Traumata und führt nach Ende des Zweiten Weltkriegs fünf Frauen im gleichnamigen Prager Gefängnis zusammen. Tomás Dianiskas Spottschau , durch eine reale Sportkarriere inspiriert, rechnet mit der Transphobie der 1930er Jahre ab. Die Form der bissigen Groteske wählen sowohl Tomás Rális in Ausgewohnt über die Wohnungsnot der jungen Generation als auch Hana D. Lehecková in Trollmama über die Verbreitung von Hass und Desinformation im Netz. Einen zynischen und dichten Beziehungsmikrokosmos voller narzisstischer Zuschreibungen entwirft Natálie Bocková im titelgebenden Stück Am Wannenrand . In Bitte Ziel eingeben von Tereza Semotamová diskutiert ein junges Paar sein intimes Leben auf surreal-groteske Weise mit einem Navigationsgerät. Eine sich umkehrende Vater-Tochter-Beziehung zeigt David Kosták in seinem lyrisch-melancholischen Stück Die vergossene Milchstraße . Dagmar Fricová beschäftigt sich in Abgrund mit Klimaängsten und Überlebensstrategien. Die Klimakrise und ihre dystopischen Auswirkungen sind auch für das tschechisch-deutsche Stück Ufer des Verschwindens von Dagmar Fricová und Matthias Naumann zentral.
Mit Theatertexten von Natálie Bocková, Tomás Dianiska, Dagmar Fricová / Matthias Naumann, Martina Kinská, David Kosták, Hana D. Lehecková, Tomás Rális und Tereza Semotamová.
In Übersetzungen von Martina Lisa, Maira Neubert, Daniela Pusch und Barbora Schnelle.