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- Verlag: Kursbuch Kulturstiftung
- Autor: Armin Nassehi
- Artikel-Nr.: KNV10946062
- ISBN: 9783961963843
Es gibt zwei Arten von Kompromissen. Einmal treten beide Seiten einen Schritt zurück und man einigt sich, weil jeder auf etwas Eigenes verzichtet. Ein anderes Mal diskutieren beide Seiten so lange, bis sich ein dritter Lösungsweg auftut. Man gewinnt etwas Neues dazu. Wann genau ein Kompromiss dann als stark bezeichnet werden kann, ist das Thema dieses Kursbuchs.
Im Gespräch erinnert sich der deutsche Topdiplomat Michael Steiner etwa an Verhandlungen mit den afghanischen Taliban oder im Jugoslawienkrieg, beide Male ging es darum, nahezu unversöhnliche Standpunkte in eine Kompromissarchitektur zu bringen. Für Steiner war klar: "Entscheidend ist, wenn plötzlich etwas möglich wird, woran vorher niemand gedacht hat." Der SZ-Kolumnist Kurt Kister wiederum fragt, wie es ist, wenn mehrere verschiedene Interessen in einer Person wohnen? Kann man, ohne spaltungsirre zu sein, mit sich selbst Kompromisse schließen, obwohl man als Person doch nur eine Seite sein kann und so eigentlich gegen eine Grundvoraussetzung des Kompromisswesens - der Interessenausgleich mehrerer - verstößt? Herausgeberin Sibylle Anderl beschäftigt sich mit kompromissreicher Wissenschaftskommunikation als Eckpfeiler der Erkenntnis für freie Menschen. Was Mitherausgeber Armin Nassehi insofern bestätigt, als dass er die dafür notwendige Kompromissbereitschaft messerscharf als vernünftig, tolerant und klug seziert. "Aber letztlich ist es jene Mühe, sich auf den anderen einstellen zu müssen, um eigene Ziele erreichen zu können, die eine zivilisierende Wirkung auf die Gesellschaft hat."
Weitere Essays von Justus Bender, Joachim Müller-Jung sowie die Kolumnen von Jan Schwochow, Berit Glanz und Olaf Unverzart sind unverzichtbare, kreative und innovative Sichtachsen - von den leinenumhüllten Autoaußenspiegeln in Kairo bis zu der Infografiken über die spezielle Semantik von Regierungsprogrammen. Mitherausgeber Peter Felixberger beschäftigt sich zum Abschluss mit Telmo Pievanis Buch "Unvollkommen", in dem der italienische Philosoph und Biologie den Evolutionskompromissen hinterherjagt. Denn der Kompromiss ist schon immer und überall da, bevor er in Erscheinung tritt.